Weine vom Ende Europas: Viúva Gomes & die Magie von Colares


Von Max Tutaß
3 Min. Lesezeit

Weine vom Ende Europas: Viúva Gomes & die Magie von Colares

Die DO Colares

Unweit der Metropole Lissabon, am westlichsten Zipfel Europas, findet man eine der faszinierendsten Appellationen: Die DO Colares. Hier entstehen aus den Rebsorten Malvasia de Colares und Ramisco waschechte Atlantikweine die dem Test der Zeit standhalten. 

Anfang des 20. Jahrhunderts erlangten die Weine von Colares Berühmtheit und wurden in ganz Europa für ihre Finesse, Eleganz und Haltbarkeit geschätzt. Nach und nach veränderte sich allerdings der Geschmack der Weintrinker. Wo früher Leichtheit, Frische und Eleganz geschätzt wurden, wollte man nun kräftigere, voluminösere und fruchtigere Weine trinken. Die Region geriet nach und nach in Vergessenheit…

Terroir & Weinbau

Die westlichste Appellation Europas hat naturgemäß einen großen atlantischen Einfluss. Lediglich einige Dünen schützen die Weingärten vor den starken Atlantikwinden. Auch im Sommer gibt es hier nur wenige komplett klare Tage. Nebel sorgt dafür, dass die Region im Sommer die wenigsten Sonnenstunden auf dem portugiesischen Festland hat.

Der ständig vorherrschende Wind wirkt sich natürlich auch auf die Anbaumethoden aus. Die Reben wachsen hier nah am Boden, um dem Wind eine möglichst geringe Angriffsfläche zu bieten. Die einzigartige Erziehungsform sorgt dafür, dass alle Arbeiten von Hand ausgeführt werden.

Wurzelechte, uralte Reben

Während andere Regionen in Portugal hart von der Reblausplage getroffen wurden, blieb man in Colares weitestgehend verschont. Die dicke Sandschicht zwischen dem lehmhaltigen Mutterboden und der Oberfläche sorgte dafür, dass die Reblaus nicht zu den Wurzeln durchdringen konnte. Dadurch findet man in Colares immer noch einen großen Bestand an wurzelechten, uralten Reben. Über 100 Jahre alte Reben sind hier keine Seltenheit. Das bedeutet allerdings auch, dass für das Pflanzen der Reben ein immenser Aufwand betrieben werden muss. Zunächst muss die dicke Sandschicht abgetragen werden, um den fruchtbaren Unterboden zu erreichen. Anschließend werden die jungen Pflanzen in den Lehmboden gepflanzt. In den darauffolgenden Jahren wird das entstandene Loch nach und nach wieder mit Sand aufgefüllt.

 

Die Adega Viuva Gomes

Die Adega Viuva Gomes wurde im Jahr 1808 gegründet und wird heute von José Baeta und seinem Sohn Diogo geführt. Die beiden beschäftigen sich extrem intensiv mit dem einzigartigen Terroir in Colares und den unterschiedlichen Subzonen. Die Region mit den Orten Colares, São Martinho und São João das Lampas ist für die beiden nicht homogen, vielmehr lohnt es sich auch hier die unterschiedlichen Mikro Terroirs herauszuarbeiten.

Das Engagement der beiden für die Region ist bemerkenswert. Mit den Weinen der Serie Viticultores unterstützen sie lokale Kleinbauern durch den Kauf ihrer Trauben. Das Gebiet ist stark fragmentiert und es gibt viele, oftmals betagte Bauern, die über wenige Ar Reben verfügen. Eine eigene Vinifikation wäre kaum wirtschaftlich. Diese Trauben werden bei Viuva Gomes gebündelt, um daraus Ortsweine zu produzieren, die den Charakter des Gebietes hervorragend einfangen. Die Weine dieser Reihe stammen nicht von Sandböden und erfüllen daher nicht die Anforderungen der DO Colares. Man bringt die Weine daher als IGP Lisboa auf den Markt. Gerade in der Viticultores Reihe findet man aber überaus gastronomische Atlantikweine mit einem hervorragenden Preis-Genuss-Verhältnis.

Kern des Sortiments bilden natürlich die Weine der DO Colares. Hier stehen die autochthonen Sorten Ramisco (rot) und Malvasia de Colares (weiß) im Vordergrund. Alle DO Weine stammen aus wurzelechten, uralten Reben und von den charakteristischen Sandböden dieser spektakulären Region.

Auch die Experimentierfreude kommt bei dem Vater-Sohn-Gespann nicht zu kurz. Mit den Pirata Weinen widmen sie sich neuen Terroirs, die in Zukunft als Einzellagen ausgebaut werden könnten.

Schatzkammerweine

Insbesondere die Ramiscos aus Colares haben einen legendären Ruf und gelten als unsterblich. Die natürlich hohe Säure und das robuste Tanningerüst der Rebsorte sorgen dafür, dass die Weine viele Jahrzehnte reifen können. Immer wieder geben José und Diogo streng limitierte Mengen ihrer Schatzkammerweine frei. Aktuell können wir treuen Kunden Weine der Jahrgänge 1965, 1967 und 1969 anbieten. Hier hat man die seltene Chance, ein Stück portugiesische Weingeschichte zu probieren.

Entdeckt mit uns diese tollen Weine vom Ende Europas!

 



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