Südlich der San Francisco Bay steigt das Gelände rasch an. Die Santa Cruz Mountains trennen die flache Küstenebene vom warmen Inland, und auf ihren Hängen – manche davon kaum eine Autostunde von Downtown San Francisco entfernt – wächst Wein unter Bedingungen, die man in dieser Nähe zur Metropole nicht erwartet: kalt, neblig, steil, mit Böden, die den Reben das Leben schwer machen und genau deshalb interessante Ergebnisse liefern.
Als AVA wurde die Region 1981 anerkannt – früh für kalifornische Verhältnisse, und nicht ohne Grund. Denn bereits in den 1970er Jahren hatte ein einziger Betrieb gezeigt, welches Potenzial in diesen Bergen steckt: Ridge Vineyards brachte beim Judgement of Paris von 1976 mit seinem Monte Bello Cabernet Sauvignon einen Wein ins Feld, der unter den Roten als bester bewertet wurde, als die Ergebnisse dreißig Jahre später neu ausgewertet wurden. Seither sind die Santa Cruz Mountains kein Geheimtipp mehr – aber sie sind auch nie wirklich mainstream geworden. Die Produktionsmengen sind gering, die Weinberge klein, die Winzer oft eigensinnig. Das passt gut zusammen.
Zwei Seiten eines Gebirges
Die AVA umfasst beide Seiten der Santa Cruz Mountains – und das macht einen erheblichen Unterschied. Auf der Westseite, die dem Pazifik zugewandt ist, drückt der Nebel täglich gegen die Hänge; hier ist es kühl, feucht und für Pinot Noir und Chardonnay prädestiniert. Auf der Ostseite, zur Bay hin gelegen, ist es geschützter und deutlich wärmer – Cabernet Sauvignon und Merlot reifen hier zuverlässig aus. Entscheidend ist dabei die Höhe: Zu tief im Tal wird es im Sommer zu heiß; erst ab etwa 400 Metern aufwärts finden die Reben jene Ausgewogenheit aus Wärme und nächtlicher Abkühlung, die Struktur und Frische im Wein erhält. Die Nebelgrenze, die sich täglich über die Bergkämme schiebt, ist dabei die entscheidende Linie.
Kalkstein: Eine seltene Kostbarkeit in Kalifornien
Was die Santa Cruz Mountains geologisch heraushebt, ist das Vorhandensein von Kalkstein – einem Bodentyp, der in Kalifornien so selten ist, dass viele Winzer ihn nie zu Gesicht bekommen. Auf dem Monte Bello Ridge bildet er den Untergrund für einige der ältesten Rebstöcke der Region. Kalkstein speichert Feuchtigkeit, reguliert den Säurestoffwechsel der Rebe und gilt in Europa – Burgund, Chablis, Champagne – als Garant für Mineralität und Lagerfähigkeit. Was er hier, auf über 700 Metern Höhe, in Kombination mit kühlen Nächten und langer Vegetationsperiode bewirkt, zeigt jede Flasche Monte Bello: ein Cabernet Sauvignon, der mit Alter an Würde gewinnt und zwanzig Jahre oder mehr locker übersteht.