Santa Barbara

Weine aus Santa Barbara

Durch die ost-west-verlaufenden Küstengebirge bläst der Pazifikwind ungehindert ins Landesinnere – und macht Santa Barbara County zum kühlsten Weinbaugebiet Südkaliforniens. Pinot Noir und Chardonnay reifen hier langsam, mit straffer Säure und einer Mineralität, die an Europa denken lässt. Gavin Chanin interpretiert diese Terroirs mit bemerkenswerter Präzision.



Winzer

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Portrait Santa Barbara

Wer Südkalifornien mit Hitze, Sonne und schweren Rotweinen gleichsetzt, hat Santa Barbara County noch nicht kennengelernt. Hier verläuft die Küstenkordillere ausnahmsweise in Ost-West-Richtung – ein geologischer Sonderfall, der weitreichende Folgen hat. Durch die Täler bläst der Pazifikwind ungehindert ins Landesinnere, und mit ihm kommen Kälte und Nebel, die an Küstenlagen der Normandie erinnern, nicht an sonniges Kalifornien.

Weinbau gibt es hier seit den späten 1960er Jahren, doch den Durchbruch brachten erst die 1980er und 1990er, als engagierte Winzer erkannten, was dieses Klima für Pinot Noir und Chardonnay bedeuten kann: längere Reifezeiten, ausgeprägter Säurerückhalt, eine aromatische Feinheit, die man im Inland vergeblich sucht. Dass Santa Barbara einem breiteren Publikum durch den Film Sideways bekannt wurde, ist eine Fußnote der Weingeschichte – die Weine selbst hatten mit romantischer Filmkulisse nie viel gemein.

Der Boden der Sta. Rita Hills

Unter den Böden Santa Barbaras verdient eine Formation besondere Erwähnung: die Diatomeenerde der Sta. Rita Hills. Dabei handelt es sich um fossile Ablagerungen mikroskopischer Kieselalgen aus dem Meeresgrund – ein Material, das Wasser speichert, Wurzeln kühlt und den Weinen eine kreidige, fast jodige Mineralität verleiht, wie man sie sonst kaum in der Neuen Welt antrifft. Ergänzt wird dieser Boden durch sandige Lehme und vereinzelte Kalksteinpartien; schon innerhalb einer einzigen AVA lassen sich deshalb deutlich unterschiedliche Weinprofile herauspflegen.

Klima: Kälte als Gestaltungsmittel

Morgens liegt Nebel über den Weinbergen, mittags drückt ein konstanter Westwind die Temperaturen herunter, abends kühlt es rasch ab. Die Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht können zwanzig Grad Celsius überschreiten – ein entscheidender Faktor für die Säurestruktur und Aromaentwicklung der Trauben. Gelesen wird in Santa Barbara oft erst im Oktober oder November, deutlich später als anderswo in Kalifornien. Was dabei in den Keller kommt, trägt diese Langsamkeit in sich: Weine mit Spannung, Frische und einem langen Abgang, der nicht auf Restzucker oder Alkohol setzt, sondern auf Extrakt und Mineralität.