Côtes de Nuits

Weine aus Côtes de Nuits

Zwanzig Kilometer Kalksteinhang nördlich von Beaune, eine einzige Rebsorte, Dutzende Grands Crus – die Côte de Nuits ist der verdichtetste Ausdruck dessen, was Pinot Noir leisten kann. Von den tanninreichen, dunkelfruchtigen Weinen Gevrey-Chambertins bis zur seidigen Tiefe Vosne-Romanées reicht das Spektrum, das hier auf engstem Raum entsteht.



Portrait Côtes de Nuits

Es gibt keinen anderen Ort auf der Erde, an dem auf so engem Raum so viel auf dem Spiel steht. Zwanzig Kilometer Hang, nach Osten geneigt, mit dem Dorf Marsannay im Norden und Corgoloin im Süden als unscheinbaren Endpunkten – das ist die Côte de Nuits. Wer sie zum ersten Mal befährt, sucht vergeblich nach einer Erklärung für die Preise, die Namen, den Ruhm. Die Weinberge sehen aus wie Weinberge. Die Dörfer sind klein. Der Hang ist sanft. Und dann öffnet man eine Flasche Chambolle-Musigny Premier Cru, und alles erklärt sich von selbst.

Pinot Noir ist hier kein Bestandteil des Sortiments, sondern die einzige Antwort auf alle Fragen. Chardonnay wächst in Meursault, Puligny, Chablis. Hier, in der Côte de Nuits, regiert eine Rebsorte mit einer Ausschließlichkeit, die anderswo dogmatisch wirken würde und hier schlicht selbstverständlich ist. Was diese Rebsorte auf diesem Hang hervorbringt, reicht vom Kräftigen und Tanninreichen bis zum so Zarten und Blumigen, dass man kaum glaubt, derselben Sorte gegenüberzustehen – und das, ohne das Dorf gewechselt zu haben.

Geologie als Schicksal

Die Grundlage ist jurassischer Kalkstein, bajocisch und bathonisch, in wechselnden Anteilen mit Ton und Mergel durchsetzt. Was das bedeutet, erschließt sich am besten im Vergleich: Die Lagen oben am Hang, wo der Fels nah unter der Oberfläche liegt und der Boden kaum Wasser hält, erzeugen konzentrierte, oft etwas strenge Weine. Tiefer unten, wo sich über Jahrhunderte fruchtbarer Schwemmboden abgelagert hat, wächst kräftiger, aber weniger filigraner Pinot. Dazwischen liegt ein schmaler Gürtel – in manchen Gemeinden keine dreihundert Meter breit – in dem Tiefgründigkeit, Drainage und Kalkgehalt in einem Verhältnis zusammentreffen, das niemand geplant hat und das sich trotzdem über Jahrhunderte als optimal erwiesen hat. Fast alle Grands Crus der Côte de Nuits liegen in diesem Gürtel.